vwgoe Logo

Ein uomo universale des 19. Jahrhunderts und sein wissenschaftliches Netzwerk. Stephan Ladislaus Endlicher und seine Korrespondenz mit Wissenschaftlern seiner Zeit.

07.12.2018 18:00 - 07.12.2018 20:00 Archiv der Universität, Postgasse 9, 1010 Wien - office@wissenschaftsgeschichte.ac.at

Auf der Basis bisher unbekannter Korrespondenzen wird an vielen Beispielen neues Licht auf
Stephan Ladislaus Endlichers (1804–1849) wissenschaftliche Errungenschaften, die dafür
angewendete Methodik, Zusammenarbeit mit anderen Wissenschaftlern in den von ihm vertretenen
Disziplinen, aber auch auf seine politischen Aktivitäten und seine gesellschaftliche
Stellung geworfen.
Bereits im Alter von 19 Jahren wurde der in Preßburg (Bratislava) geborene Endlicher zum
Doktor der Philosophie promoviert. Danach wandte er sich dem Studium der Theologie zu, musste jedoch aus familiären Gründen dem geistlichen Stand entsagen.
Am Anfang seiner wissenschaftlichen Laufbahn standen vor allem historische und literarhistorische Studien. 1828 wurde er als Scriptor an der k.k. Hofbibliothek in Wien angestellt.
Nebenbei widmete er sich botanischen, numismatischen, germanistischen und sinologischen
Studien und brachte auf jedem dieser Gebiete grundlegende Werke hervor. 1836 erhielt er
eine Stellung am k.k. Naturaliencabinet als Custos für Botanik. 1840 wurde er zum Professor
der Botanik an der Universität Wien und Direktor des Botanischen Gartens ernannt. Es gelang ihm 1844 die Pflanzensammlungen des Naturaliencabinets in das von ihm gegründete Botanische Museum der Universität zu übertragen.
Seinen Ruhm als Botaniker begründeten vor allem sein eigenes in seinem Hauptwerk »Genera
Plantarum« entwickeltes System, die bis heute grundlegende Arbeit über das System der
Coniferen und die gemeinsam mit C.F.P. v. Martius initiierte »Flora Brasiliensis«.
Seine Bedeutung bei der Gründung der Akademie der Wissenschaften in Wien 1847 und sein Austritt im folgenden Jahr sollen ebenso behandelt werden wie seine Rolle während der Revolution von 1848.
Unglückliche Finanzgeschäfte kurz vor seinem Tod nährten besonders durch Fachkollegen verbreitete Gerüchte von Suizid.
Außer von Naturwissenschaftlern enthält das umfangreiche Konvolut u. a. auch Briefe von
Sinologen, Orientalisten, Philologen und Künstlern. Die Bearbeitung der gesamten Korrespondenz gewährt somit einen Einblick in die kulturhistorische und politische Situation im
Umkreis von Endlicher in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, in ganz Europa einer Zeit des noch häufig unterdrückten Aufkommens neuer Ideen und Veränderungen im politischen, sozialen und Hand in Hand damit kulturellen Bereich.
Vortrag am 07.12.2016 – Universitätsarchiv Wien

Zum Veranstaltungsindex
Web design by PhageApps