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Candid Ponz, Reichsritter von Engelshofen

29.06.2017 18:00 - 29.06.2017 19:00 Archiv der Universität Wien, Postgasse 9, 1010 WIEN - office@wissenschaftsgeschichte.ac.at

Der auf Gut Stockern bei Eggenburg beheimatete Candid PONZ, Reichsritter von ENGELSHOFEN (geboren 22. 2. 1803 in Wien, verstorben 8. 8. 1866 in Stockern, N.Ö.) gilt als der Begründer der Ur- und Frühgeschichts-Bodenforschung im Waldviertel. Große Teile seiner ur- und frühgeschichtlichen Sammlungen wurden bereits ab 1928 auf Schloß Rosenburg im Kamptal bei Horn in Niederösterreich öffentlich ausgestellt.
Obwohl ENGELSHOFEN als sammlerischer Mentor des Johann KRAHULETZ aus Eggenburg, des wohl bedeutendsten paläontologischen Sammlers des Waldviertels bekannt ist und KRAHULETZ in jungen Jahren, wie bereits sein Vater und viele andere Personen aus der Gegend, regelmäßig urgeschichtliche und paläontologische Bodenfunde an ENGELSHOFEN lieferten, waren die paläontologischen Objekte der Sammlung ENGELSHOFEN bis 1991 verschollen. Nur in einer Aktennotiz zur Übertragung des gesamten ENGELSHOFEN’schen Sammlungsbestandes auf die Rosenburg, findet sich ein Hinweis auf dieses paläontologisches Sammlungsgut. 1991 entdeckte w.HR DR. Friedrich BERG auf der Rosenburg die paläontologische Sammlung ENGELSHOFENs in zwei aus der Zeit stammenden Kästen, in welchen in von ENGELSHOFEN selbst angefertigten und mit dem von ihm hergestellten, marmorierten Papier überzogenen Sammlungsschachteln untergebracht war.
Die Sammlungskartons enthielten die Fossilien in ebenfalls von ENGELSHOFEN angefertigten Schachterln, die eigens an die Größe der Objekte angepaßt waren. ENGELSHOFEN hat einzelnen Fundstücke selbst präpariert, wie dies bei den Knochenresten von Metaytherium krahuletzi besonders deutlich wird.
Bei fast allen Objekten fanden sich die von ENGELSHOFEN eigenhändig geschriebenen Fundzettel, meist mit detaillierten Fundortangaben und Funddaten. Selten sind taxonomische Bezeichnungen des Objektes von ENGELSHOFEN vermerkt worden und wahrscheinlich nachträglich hinzugefügt sind dann bei manchen Objekten Gattungs- und Artnamen. Wie bei den ur- und frühgeschichtlichen Objekten lassen auch hier die Funddaten, welche Tag, Monat und Jahr der Aufsammlung angeben, die Häufigkeit seiner Besuche einer Fundstelle nachvollziehen und so könnte gemeinsam mit den übrigen Daten sein „Sammlerjahr“ rekonstruiert werden. Die Haupt¬fundorte der Fossilien liegen im weiteren Raum von Eggenburg.
Die Fossilien-Sammlung umfaßt größtenteils Evertebratenreste, hauptsächlich Bivalven und Gastropoden. Wesentlich und wissenschaftlich bedeutsam sind umfangreiche Aufsammlungen von heute nicht mehr vorhandenen Fundorten, die z.T. bisher aus diesem Raum nicht bekannte Taxa enthalten (z.B.: Maria Dreieichen, Maigen), sowie Aufsammlungen von Wirbeltiermaterial, hier sind besonders die Reste von Metaxytherium krahuletzi aus dem Fundhorizont der heutigen Gemeindesandgrube von Kühnring, und die Selachierreste aus dem Fundpunkt Kühnring, Hochstrasse, hervorzuheben.
Das erste selbst gesammelte und beschriftete paläontologische Objekt dieser Sammlung ist datiert mit 23. März 1828 (es handelt sich um eine Schale von Crassostrea gryphoides aus „Kuenring Weg zum Dorf“). Das letzte selbst gesammelte und datierte Stück ist ein direkt mit Ölfarbe beschrifteter Steinkern von Gycymeris fichteli, den ENGELSHOFEN am 2. Juli 1865 auf der Flur „Heidenstatt“ bei Limberg gefunden hat. Somit ist diese paläontologische Sammlung sicherlich die älteste Fossilsammlung des Waldviertels und gehört wohl mit zu den ältesten, systematisch angelegten Fossilsammlungen Österreichs.
Die Sammlung wurde durch das Entgegenkommen der Familie HOYOS an das Krahuletz-Museum in Eggenburg übertragen, wo sie ausgestellt ist.

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