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Glossopetren

10.11.2016 18:00 - 10.11.2016 18:00 Archiv der Universität Wien, Postgasse 9, 1010 WIEN - office@wissenschaftsgeschichte.ac.at

Nur wenige Fossilgruppen zeigen derart mannigfache Bezüge zur Wissenschaftsgeschichte sowie zu Themen des Alltags wie fossile Haifischzähne. Unterschiedliche Bezeichnungen (z.B. Glossopetren, Lamiodonten, Natternzungen, Zungensteine, Steinzungen) sowie die teilweise sehr frühen Deutungsversuche verweisen dabei auf so manches Kapitel der Kultur- und Geistesgeschichte.
Zusammen mit einer Reihe anderer Fossilien wurden sie als Zeugen der Sintflut betrachtet; ihre Entstehung wurde damit im Zusammenhang mit grundlegenden Fragen zur Historizität des Alten
Testamentes gebracht. Da sich niemand geringerer als Nicolaus Steno (1638–1686), der als
Begründer der (modernen) Geologie gilt, unter anderem auch mit diesem Fragenkreis befasste,
rücken sie einmal mehr in den Mittelpunkt wissenschaftshistorischer Relevanz. Zahlreich waren auch ihre Anwendungsmöglichkeiten (volks-)medizinischer Art: neben der Behandlung von Epilepsie, von Behexungen, Rheumatismus und so mancher anderer Leiden wurden sie besonders als Mittel gegen Vergiftungen empfohlen – hier wäre vor allem ihre Verwendung in den sogenannten
„Natternzungen-Kredenzen“ der Renaissance als besonders markantes Beispiel zu erwähnen. Im
Zusammenhang mit ihrer Verwendung als Heilmittel wären vor allem Funde aus dem Neogen der Insel Malta anzuführen: in legendenhafter Weise verbindet sich hier ein Bericht der Apostelgeschichte des Neuen Testamentes mit den als Heilmittel verwendeten Fossilfunden. Wie weit die Verwendung fossiler Haifischzähne zurückreicht, belegen schließlich verschiedenste
archäologische Funde; freilich ist hier eine Deutung praktisch ausgeschlossen.

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